Historie

Kurzfassung aus: "Eine Stadt im Spiegel der Heilkunst", Kassel 1998

Die Geschichte im Blick: Verortungen in der Stadt

Europaweit können nur wenige Krankenhäuser auf eine über 860-jährige Tradition verweisen, die noch heute mit all ihrer Vielfalt in der Stadt verankert ist. Wer von Süden auf Fritzlar schaut, überblickt die ganze Geschichte: Unterhalb vom Dom, wo heute das Ursulinenkloster steht, entstand 1147 das Marienhospital. Im Tal beim Mühlengraben wurde 1308 der erste Bau des Hospitals zum Heiligen Geist errichtet, das 1530 die Güter des Marienhospitals übernahm. Wieder bergauf, ist östlich vom Dom die Minoritenkirche zu sehen, bei der das heutige Krankenhaus steht. Zwischen diesen drei Orten entfaltet sich das dichte Netz der Fritzlarer Hospitalgeschichte. Als der Abt Bruno von Weißenstein 1147 das Marienhospital stiftete, erneuerte er den klösterlichen Spitalsgedanken, auf dem das mittelalterliche Gesundheitswesen beruhte. Der heilige Benedikt von Nursia (480-554) hatte im italienischen Monte Cassino eine Ordensgemeinschaft gebildet, die rund 500 Jahre die organisierte Gesundheitspflege prägte. Schon mit der Stadtgründung floss diese Hospitalgeschichte in die Fritzlarer Geschichte ein: Der heilige Bonifatius gründete im achten Jahrhundert nicht nur die Stadt, sondern auch ein Benediktinerkloster, in dem wahrscheinlich eine Krankenstube eingerichtet war. Nachdem das Kloster 1005 in ein Chorherrenstift umgewandelt war, übernahmen wohl Augustinerinnen die pflegerischen Dienste. Diese Verantwortung bestätigte der Abt von Weißenstein 1147 mit der Gründung des Marienhospitals, das nachweislich einem Augustinerinnenkloster zugeordnet war.

"Bussen den Muren" - Vor den Mauern der Stadt

Der Abt siedelte das Marienhospital vor den damaligen Stadtmauern am Südhang unterhalb des Domes an. Dort sprudeln zahlreiche Quellen, die die Versorgung mit sauberem Wasser sicherten. Während die Quellen heute das Schwimmbad der Ursulinenschule speisen, lieferten sie im Mittelalter nicht nur Frischwasser für das Hospital, sondern auch für ein öffentliches Badehaus - wie der nahe gelegene Turm "am Bad" bezeugt. Der Standort vor den Mauern der Stadt bot sich für das Hospital außerdem an, weil er nah an einer Einfallstraße lag und somit durchreisende Gesellen oder Pilger nicht das Stadtgebiet betreten mussten, um Obdach zu finden. Andererseits konnte mit dem Standort bei drohenden Seuchen sichergestellt werden, dass die Kranken im Hospital von der noch gesunden Stadtbevölkerung getrennt blieben. Diese stadtplanerische Bedachtsamkeit bestimmte auch den Standort für das erste Hospital zum Heiligen Geist bei der gleichnamigen Kapelle am Mühlengraben.

Die Heilig-Geist-Kapelle

Das Hospital zum Heiligen Geist wurde 1308 von der Stadt gegründet, vom Mainzer Erzbischof mit einem Ablass und von Stiftern mit Grundbesitz ausgestattet. Der noch heute bewirtschaftete Alte Hof bildete bis ins 19. Jahrhundert neben den Stiftungen und Schenkungen die ökonomische Grundlage des Hospitalwesens. Die Pfründner verdienten sich, soweit sie dazu in der Lage waren, mit der landwirtschaftlichen Arbeit die Kost und Logis im Hospital. Diese Praxis hat sich bis heute in der Verfassung der Hospitalstiftung tradiert, wird mittlerweile allerdings "infolge der Wandlung in der Sozialen Hilfe ( ... ) in zeitgemäßer Weise durch individuelle Hilfe für Bedürftige, so die Betreuung durchreisender Obdachloser," erfüllt. Der letzte Pfründner verließ das Hospital Anfang der 1980er Jahre - etwa zur gleichen Zeit, als der Alte Hof verpachtet wurde, der bis dahin fast sämtliche Lebensmittel lieferte, die das Krankenhaus brauchte. Im Zentrum des mittelalterlichen Hospitalkomplexes am Mühlengraben stand die gleichnamige Kapelle. Obwohl damals die Stadt als Träger fungierte, blieb die religiöse Bindung nicht nur durch die dort tätigen Priester, sondern auch in der Namensgebung erhalten. Die schon im 12. Jahrhundert verbreitete, z.B. beim Hospital "Santo Spirito" in Rom gewählte Widmung an den Heiligen Geist verweist auf dessen Mittlerschaft zwischen Mensch und Gott - wie etwa auch der allegorische Zusammenhang zwischen Heilung und Heiland auf die religiöse Vermittlung von Krankheit und Genesung hindeutet.

Ausdruck fand die religiöse Bindung auch in der Architektur des Hospitals am Mühlengraben. An das heute noch vorhandene Kirchenschiff der Kapelle schloss sich ursprünglich direkt der Saal für die pflegebedürftigen Hospitalbewohner an. Während die übrigen Bewohner - Arme, Obdachlose, Pfründner, Pilger usw. - in den Nebengebäuden untergebracht waren, sollten auch die bettlägerigen, alten oder kranken Bewohner die Möglichkeit haben, am Gottesdienst teilzunehmen.

Die Hospitalpflege

Die direkte Verbindung zwischen Kirchenschiff und Bettensaal ist typisch für ein mittelalterliches Hospital. Sie begründet sich in der religiösen Auffassung, dass Erlösung und damit in gewisser Weise auch Heilung durch "Christus Medicus" bewirkt wird. Krankheit wurde zwar auch in der mittelalterlichen Heilkunde auf eine stoffliche Grundlage, genauer auf das Missverhältnis der Körpersäfte und das Versagen eines Organs zurückgeführt. Aber dieser materiellen Begründung stand die religiöse Erklärung zur Seite, dass Erlösung - "von dem Bösen", wie im Vaterunser formuliert ist - allein durch Gottes Gnade gegeben werden kann. In ähnlicher Weise verspricht nur die Gnade Gottes Erlösung, wenn der Tod und damit auch Gottes Gericht bevorsteht. Krankheit, Altern, Sterben und Tod sind auf dieser Ebene nicht getrennt voneinander behandelt worden, sondern bildeten in einem mittelalterlichen Hospital eine gleichermaßen räumliche wie ideelle Einheit. Kranke und Alte befanden sich im selben Saal, in dem auch die medizinischen Behandlungen inklusive der Operationen durchgeführt, den Sterbenden das Sakrament gespendet, den Toten die Messe gelesen und die Körper schließlich auch in ein Leichentuch genäht wurden.

Krankheitsvorsorge im Mittelalter

Unweit der Heilig-Geist-Kapelle liegt die Siechenrasenkapelle. Sie weist auf ein Leprosenhaus, quasi eine mittelalterliche Quarantänestation hin. Die Leprakranken, die dem Tod geweihten Siechen wurden abseits des eigentlichen Hospitals untergebracht - daher auch die Bezeichnung Aussatz für Lepra. Ihnen war das Betreten des ummauerten Stadtgebietes nur zu wenigen, fest bestimmten Zeiten erlaubt. Sie mussten eine besondere Kleidung tragen, die den Körper so weit wie möglich bedeckte, ein Wasserfässchen, um die Quellen in der Stadt nicht zu verseuchen, und etwa eine Rassel, um Näherkommende zu warnen. Leprakranke durften zudem stets nur gegen die Windrichtung sprechen, um zu verhindern, daß die Gesunden vom Atem der Leprösen infiziert wurden. Obwohl erst die moderne Wissenschaftsmedizin die Übertragung per Tröpfcheninfektion nachgewiesen hat, kannte die mittelalterliche, auf Erfahrung beruhende Heilkunde bereits entsprechende Präventivmaßnahmen - zumal die Vorsorge gegen Erkrankung bei der mittelalterlichen Medizin grundsätzlich im Mittelpunkt stand. Weniger aus fehlender Sachkenntnis heraus als vielmehr aufgrund der spezifischen medizinischen Auffassung wurde im Mittelalter - wie auch schon bei den antiken Vorbildern - in allen Lebensbereichen "mâze" gelehrt. Schlafen, Essen und Trinken, Ruhe und Bewegung, Arbeit und Emotionen sollten maßvoll gehandhabt werden, um Krankheiten zu verhüten - ein Konzept, das besonders in der internistischen Medizin auch heute grundlegend ist.

Karitative Dienste

Wer sich von der Siechenrasenkapelle wieder zur Altstadt wendet, gelangt von der Neustädterstraße aus in die Spitalsgasse. Hier stand bis 1969 ein weiteres Spitalsgebäude, von dem allerdings kaum mehr als der Standort bekannt ist. Einige Schritte weiter erreicht man über die Fraumünsterstraße die Flehmengasse. Hier ist bekannt, daß Beginen das "Süster-", ein Schwesternhaus führten. Als ordensähnliche Gemeinschaft - sie gaben ihr Treuegelübde nur auf Zeit ab - waren die Beginen für die karitative Hilfe, für häusliche Krankenpflege und für Begräbnisdienste zuständig.

Diese ambulanten Pflegedienste, die heute mit der Reformierung des Gesundheitswesens wieder zunehmen, wurden im 16. Jahrhundert ans Hospital zum Heiligen Geist überwiesen. Das Süsterhaus selbst diente als Altersheim für arme Frauen, bis diese Anfang des 19. Jahrhunderts ins Hospital umzogen und im Süsterhaus ein Garnisonslazarett eingerichtet wurde.

Wechsel der Trägerschaft: Die Armenkommission

Zu dieser Zeit, genauer am 26. Februar 1810, ist die noch heute bestehende Armenkommission gegründet worden. In ihr wurden die Armenfonds zusammengeführt, aus denen sich die verschiedenen Einrichtungen der Sozial-und Gesundheitspflege finanzierten. Diese Armenfonds standen zum Teil unter städtischer und zum anderen Teil unter kirchlicher Trägerschaft. Mit der Gründung der Armenkommission wurden die kirchlichen Trägerschaften säkularisiert, so dass sämtliche Einrichtungen in weltliche Verfügungsgewalt kamen.

Die Armenkommission, die dem heutigen Kuratorium entspricht, stand anfangs unter der Leitung des Bürgermeisters, zeitweise dann aber auch unter dem Vorsitz des Landrats. Der jeweilige Dechant führte jedoch weiterhin die Geschäfte und bekam kraft Amtes letztlich dann auch den Vorsitz in der Armenkommission zugesprochen - unter anderem aufgrund von politischen Auseinandersetzungen in den 1930er und 1940er Jahren, als Nationalsozialisten versuchten, das Hospital nach dem sogenannten Führerprinzip "gleichzuschalten".

Am 26 Oktober 1844 schließlich auch vom Regierungspräsidium in Kassel bestätigt, ist die Armenkommission beziehungsweise das Kuratorium bis heute eine staatlich anerkannte und juristisch - etwa gegenüber Kirche, Land, Kreis oder Stadt - selbständige "Stiftung des privaten Rechts", womit insbesondere das Hospital im rechtlichen Sinne einem privatwirtschaftlich geführten Krankenhaus gleichgestellt wurde und es weder durch die Kirche noch durch irgend eine andere Instanz Beiträge zur Finanzierung der laufenden Betriebskosten gab, wie es bei Stadt-, Kreis- und Landkrankenhäusern möglich ist. Die eigentliche Trägerschaft bestand seit 1810 bis Ende 2009 unverändert fort. Seit 2010 wird das Krankenhaus von der Hospital zum Heiligen Geist gemeinnützige GmbH, deren Alleingesellschafterin die Stiftung ist, betrieben.

Umzug ins ehemalige Minoritenkloster Einzug der Barmherzigen Schwestern

1817 zog das Hospital zum Heiligen Geist in das ehemalige Minoritenkloster, das heißt an den heutigen Standort um. Anfangs wurde, der veränderten Trägerschaft entsprechend, der Stadtwachtmeister mit der Aufsicht der Bewohner betraut, allerdings nur nebenamtlich. Die vielfältigen Aufgaben, die mit der Betreuung der Pfründner, der zu versorgenden Alten und Stadtarmen sowie mit der Pflege der Kranken einhergingen, ließen sich nebenamtlich aber wohl nicht bewältigen, so dass erst eine zusätzliche Krankenpflegerin und 1849 schließlich zwei Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul nach Fritzlar kamen.

Hospital zum Heiligen Geist - Schwestern

Die Schwestern aus dem Mutterhaus in Fulda führten nicht nur eine strenge Hausordnung ein, sondern gründeten bereits ein Jahr nach ihrer Ankunft ein Kinder- und Waisenhaus am Hospital. Zuvor waren die Kinder gegen eine wöchentliche Beisteuer der Armenkommission in Familien untergebracht. Das Kinderheim blieb bis 1930 am Hospital angesiedelt, zog dann ins St. Josefsheim am Dr.-Jestädt-Platz und 1968 schließlich in das Haus Carl Sonnenschein in der Fraumünsterstraße - bis heute begleitet von den Barmherzigen Schwestern. Dagegen verließen die Vinzentinerinnen 1990 aufgrund von Nachwuchsmangel das Hospital. Ihnen folgten im selben Jahr die "Kleinen Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens". Die Kongregation dieses polnischen Ordens ist heute durch fünf Schwestern am Haus vertreten, die in verschiedenen Bereichen der Pflege tätig sind.

Auf dem Weg zum modernen Krankenhaus

Unter der Leitung der Barmherzigen Schwestern entwickelte sich das in christlicher Tradition stehende Hospital zum modernen, auf medizinisch-pflegerische Aufgaben spezialisierten Krankenhaus. Dieser Prozeß vollzog sich nicht mehr an verschiedenen Einrichtungen oder Standorten in der Stadt, sondern bündelte sich im heutigen Hospitalkomplex.

Der wichtigste Schritt zum Krankenhaus im heutigen Sinne wurde 1869 vollzogen, als ein Militärlazarett ins Hospital einzog, für das auch eine weitere Schwester ans Haus kam. Dieses Lazarett im nordöstlichen Flügel des ehemaligen Klostergebäudes verfügte 1892 bereits über 15-20 Betten in fünf Zimmern, eine Belegungsdichte, die damals eher einem hohen Standard entsprach, waren in anderen Häusern doch Krankensäle mit 20, 30 und mehr Betten üblich. Spätestens 1908 gab es in dem Lazarett einen OP-Saal, der dann wahrscheinlich auch von den (Beleg-) Ärzten des Hospitals mitbenutzt wurde - noch standen aber lediglich 10 Patientenbetten außerhalb des Lazaretts zur Verfügung.

Die Einrichtung eines gesonderten Raums für die Operationen zeigt, daß sich die in der früheren Hospitalpflege noch verbundenen Arbeitsbereiche im modernen Krankenhaus aufsplitteten beziehungsweise spezialisierten: Die medizinische Behandlung auf der einen und die Pflege der Patienten auf der anderen Seite finden aus hygienischen und technischen Gründen, nicht zuletzt aber auch zum Schutz der Intimsphäre der Patienten räumlich voneinander getrennt statt. Dieser räumlichen Spezialisierung entspricht wiederum die fachliche Trennung einzelner medizinischer Disziplinen im heutigen, professionellen Sinne. Im Verlauf des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte sich der Facharzt für Chirurgie, für Innere Medizin, für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, um nur einige Disziplinen aufzuführen.

Das Haus wächst über sich hinaus

Während den Entwicklungen bis dahin noch weitgehend innerhalb des alten Klostergebäudes entsprochen werden konnte, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg umfassende bauliche Erweiterungen notwendig. So ist z.B. 1954/55 das Personalwohnheim gebaut worden, um die unter anderem aus hygienischen Gründen notwendige Trennung des medizinisch-pflegerischen Bereichs von den privaten Unterkünften der am Haus Beschäftigten zu gewährleisten. Gleich anschließend sind die Pläne für neue Stationen und Funktionsabteilungen umgesetzt worden, indem der Ostflügel zwischen dem alten Klostergebäude und dem Jordanturm gebaut und im Januar 1960 eingeweiht wurde.

Den Anstoß für diesen Neubau gab die Einrichtung einer internistischen Fachabteilung am Hospital. Sie verfügte zunächst über 35 Betten, begründete darüber hinaus aber auch vollkommen neue oder zumindest den umfassenden Ausbau der bisher bestehenden Funktionsabteilungen.

Medizinisch-pflegerisch gesehen, wurde das Hospital mit den Neubauten in den 1950er Jahren auf einen professionellen Stand gebracht, der bereits den grundsätzlichen Erfordernissen heutiger Kliniken entspricht. Baulich betrachtet, bedeuteten diese Erweiterungen ungefähr eine Verdoppelung des bisherigen Raumangebotes. Ähnliche Dimensionen hatten die Ausbauten, die in den 1970er und 1980er Jahren realisiert wurden.

Der Neubau

Um den medizinischen und pflegerischen Anforderungen auch zukünftig gerecht zu werden, hat die Hospitalstiftung schon frühzeitig die Weichen gestellt und ein Neubauprojekt geplant. Dieses Vorhaben sah den Bau eines Bettenhausneubaus zur Unterbringung der Pflegebereiche am alten Standort vor. Das ehrgeizige Projekt konnte in zwei Bauabschnitten realisiert werden. Der 1. BA wurde von 1996 - 1998 erstellt und beinhaltete den ersten Teil des Bettenhausneubaus mit rund 100 Betten sowie die Funktionsabteilungen Labor, Endoskopie und Sonografie. Die Innere Ambulanz konnte neue Räumlichkeiten beziehen. Die Röntgenabteilung wurde um einen Computertomographen erweitert und für das ambulante Operieren wurde eine separate Einheit realisiert.

Der 2. BA schloss sich in den Jahren 2002 - 2005 an und hatte den Bettenhausneubau für die restlichen Pflegebereiche zum Gegenstand. Des weiteren wurden 2 neue Kreißsäle und ein Säuglingszimmer mit dazugehöriger Wöchnerinnenstation nach den neuesten Standards gebaut. Die Chirurgische Ambulanz und die Notfallaufnahme erhielten neue Räumlichkeiten und wurden zusätzlich noch um einen separaten Schockraum erweitert. Die Röntgenabteilung wurde in den Neubau verlegt und endlich auch die lang ersehnte räumlich getrennte und geschlossene Liegendkrankenvorfahrt gebaut. Auch wurde eine komplett neue Küche mit Zentralspüle eingerichtet. Schlussendlich hat sogar die Verwaltung im Dachgeschoss des Neubaus neue Räumlichkeiten beziehen können.

Komplettiert wurde der Neubau durch die Realisierung des 3.BA in den Jahren 20111-2012, bei dem das Herzstück der Klinik, der OP-Trakt mit Zentralsterilisation neu errichtet wurde. Bei dieser Baumaßnahme wurden 3 neue OP-Säle mit modernster Ausstattung und Technik geschaffen. Zur Aufbereitung der OP-Instrumente wurde eine vollständig neue Zentralsterilisation gebaut, die dem aktuellstesn Stand der Technik entspricht und alle hygienischen Anforderungen an die Instrumentenaufbereitung erfüllt.

Mittels der drei Bauabschnitte konnte das Krankenhaus in zentraler Innenstadtlage am bestehenden Standort erhalten bleiben und wurde zudem komplett neu errichtet.

Ebenso wie die Arbeits- und Aufenthaltsräume des Personals optimiert wurden, bieten die Stationen im Neubau den Patienten durchweg einen hohen Komfort. Jedes Patientenzimmer verfügt über ein eigenes Bad mit Toilette, über Fernseher, Telefon und zum Teil sogar Faxanschluss sowie Minikühlschrank. Entscheidend für die Atmosphäre ist aber die durchweg farbenfrohe Gestaltung der Zimmer, die Verwendung von wohnlichen Materialien und die Gliederung der Räume mit gemütlichen Erkern sowie teilweise Sonnenterrassen. Wie bereits an dieser ansprechenden Gestaltung der Innenräume ersichtlich ist, nimmt auch die Außenfassade des Neubaus Elemente des alten Gebäudes beziehungsweise der umliegenden Fachwerkhäuser auf und fügt sich somit harmonisch ein in die Feingliedrigkeit und Vielschichtigkeit der Fritzlarer Altstadt.

Mit diesem gestalterischen Zusammenspiel von Geschichte und Zukunft ist im Neubau erreicht worden, daß den Patienten wie auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einerseits eine optimale medizinisch-pflegerische Versorgung und Ausstattung geboten werden kann. Andererseits bietet das Ambiente ideale Voraussetzungen, um sich zentrumsnah und daher besucherfreundlich, aber dennoch in Ruhe erholen zu können.

Vernetzt mit der Stadt: Eine Klinik mitten im Leben

Das Hospital zum Heiligen Geist bildet einen Mittelpunkt in der Sozial- und Gesundheitspflege Fritzlars - nicht nur historisch, sondern auch aktuell. Zum einen ist es seiner zentralen Lage in der Stadt zu verdanken, dass die Möglichkeit besteht, Angehörige ohne langwierige Anfahrt zu besuchen und darüber hinaus im Notfall schnell kompetente Hilfe zu finden. Zum anderen ist das Krankenhaus ein Dreh- und Angelpunkt in der Stadt, weil es mit rund 370 Arbeitsplätzen nach der Bundeswehr der zweitgrößte Arbeitgeber am Ort ist. Doch die Klinik steht keineswegs allein da. Vielmehr ist sie eingebunden in ein Netz der Gesundheits- und Sozialpflege, das seinesgleichen sucht. Schon selbst in der Kernstadt haben sich - neben acht Zahnärzten sowie zwei Tierärzten - 31 Humanmediziner niedergelassen, dazu kommen noch die Kollegen und Kolleginnen aus den Ortsteilen und den umliegenden Gemeinden. Zusammen decken sie neben der allgemeinpraktischen Medizin die Fachgebiete Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Medizin, Augenheilkunde, Innere Medizin, Hautmedizin und Allergologie, Orthopädie, Reha- und Sportmedizin, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychoanalyse ab. Zum Teil bestehen zwischen diesen Ärzten und dem Hospital Kooperationen, etwa über die Belegpraxen am Krankenhaus oder hinsichtlich der konsiliarischen Beratung in fachspezifischen Fragen. In ähnlicher Weise arbeitet außerdem das neue Facharztzentrum der Bundeswehr mit dem Hospital zusammen, etwa hinsichtlich der geplanten Ausbildungsgänge oder der Betreuung erkrankter Bundeswehrangehöriger.

Für eine Stadt wie Fritzlar - mit 8.870 Einwohnern in der Kernstadt und 6.651 in den Ortsteilen - liegt dieses Angebot weit über dem Durchschnitt. Den historischen Ursprüngen und dem bewahrten, dicht geflochtenen Netz insbesondere mittelalterlicher Einrichtungen des Hospitalwesens entsprechend, zeigt die Vielfalt der gegenwärtigen Angebote, dass Fritzlar heute ein Zentrum der Gesundheits- und Sozialpflege in der ganzen Region umliegender Städte und Gemeinde bildet. Nicht als bestimmender Faktor, wohl aber als ein Element fügt sich das Hospital zum Heiligen Geist mit seinen vielfältigen Verbindungen in diesen Dienstleistungsbereich ein und trägt dazu bei, dass das am Ort verankerte Netz über die nötigen Kapazitäten verfügt, die Qualität der Versorgung auch in Zukunft zu sichern.

Literaturangaben

1 Angaben nach Deutsche Krankenhausgesellschaft (Hg.): Zahlen, Daten, Fakten '98. Düsseldorf 1998, S. 40 und 49.

2 Vgl. Albert Lyons, R. Joseph Petrucelli 11: Die Geschichte der Medizin im Spiegel der Kunst. Köln 1980, S. 276

3 § 2: Stiftungszweck, Abs. 2, der am 16. März 1984 genehmigten "Verfassung der Stiftung Armenkonirnission Hospital zum Heiligen Geist' in Fritzlar".

4 Lyons, Petrucelli 1980, S. 338.

5 Vgl. etwa die Abbildung vom Innenraum des Hötel Dieu in Paris um 1500 in ebd., S. 343.

6 Vgl. den entsprechenden Verweis auf die Rechtsform sowie die regierungsamtliche Bestätigung 1844 in § 1 derheute gültigen "Verfassung der Stiftung, Armenkommission Hospital zum Heiligen Geist' in Fritzlar".

7 Vgl. die Statistik der Säuglingssterblichkeit in Fritzlar, Gudensberg, Niedenstein und den Landgemeinden 1922/23 in der Quellensammlung des Stadtarchivs Fritzlar, Abt. XVII, Abschnitt 1, Konvolut 1, Fasz. 8.

8 Vgl. den Auszug aus dem Beschlußbuche des Magistrats vom 9.11.1926 in der Quellensammlung des Stadtarchivs Fritzlar, Abt. XVI, Abschnitt 6, Konvolut 22, Fasz. 15.

9 Dr. Max Diederich: Die Chronik des Krankenhauses Hospital zum Heiligen Geist Fritzlar, Bd. 2. Unveröffentlichtes Typoskript. Fritzlar 1978, S. 3.

10 Die Angaben zur Zahl und fachärztlichen Disziplin der niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen folgen dem Verzeichnis 1997 der für die Region zuständigen Marburger Sektion der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die die Praxisniederlassungen regelt. Das Verzeichnis wurde mir freundlicherweise von der hiesigen KV-Beauftragten Frau Ingrid Gromotka zur Verfügung gestellt.

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