Warum Früherkennung insbesondere für Menschen über 50 Jahre von Bedeutung ist
Jedes Jahr erkranken etwa 55.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Ein Großteil dieser Fälle ließe sich durch eine regelmäßige Vorsorge verhindern, denn dabei können bereits Vorstufen rechtzeitig erkannt und entfernt werden. Warum Früherkennung lebensrettend sein kann, wie eine Darmspiegelung abläuft und auf welche Warnsignale des Körpers man achten sollte, erklärt Dr. Carsten Bismarck, Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar und Chefarzt der dortigen Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie, im Interview.
Herr Dr. Bismarck, warum ist Vorsorge gerade im Hinblick auf Darmkrebs so wichtig?
Darmkrebs entwickelt sich meist langsam und über Jahre hinweg unbemerkt. Beschwerden treten meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf. Durch eine frühzeitige Untersuchung können Vorstufen – gutartige Schleimhautwucherungen, so genannte Polypen – entdeckt und entfernt werden, bevor sie sich zu einem bösartigen Karzinom entwickeln. Konkret bedeutet das: Eine Koloskopie kann Tumore verhindern, bevor sie entstehen. Die Sterblichkeit sinkt so um bis zu 70 Prozent. Dennoch ist die Bereitschaft, am Screening (Vorsorgeuntersuchungen) teilzunehmen, noch viel zu gering.
Wer ist besonders gefährdet, an Darmkrebs zu erkranken?
Mit steigendem Lebensalter steigt auch das Darmkrebs-Risiko. Daher wird eine Vorsorge ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Weitere Risikofaktoren sind familiäre Belastung und entzündliche Darmerkrankungen. Aber auch eine ungesunde Ernährung, Rauchen, wenig Bewegung und starkes Übergewicht begünstigen die Entstehung von Krebs. Generell sind Männer ein wenig häufiger betroffen als Frauen.
Welche Symptome sollte man unbedingt ernst nehmen?
Das Tückische: Im Frühstadium treten oft keine Symptome auf, weshalb der Vorsorgeuntersuchung eine besondere Bedeutung zukommt. Ernst nehmen sollte man in jedem Fall Blutarmut, anhaltende Bauchschmerzen, blutige oder schleimige Stühle oder sehr seltenen Stuhlgang. Diese Warnzeichen sind immer ärztlich abzuklären. Dafür stehen eine Reihe von Diagnostik-Möglichkeiten zur Verfügung – von speziellen Stuhl-Tests über eine Darmspiegelung bis zur CT-/MR-Colonografie.
Wie läuft eine Darmspiegelung ab?
Die Untersuchung dauert in der Regel nicht länger als eine halbe Stunde und erfolgt in Schlafnarkose. Durch den Anus wird ein flexibles Endoskop eingeführt und anschließend der gesamte Dickdarm auf Auffälligkeiten untersucht. Falls Polypen entdeckt werden, können diese direkt entfernt werden. Bei Tumoren können Proben direkt entnommen und der Gewerbetyp bestimmt werden. Bei bösartigen Tumoren werden alle weiteren Therapie-Optionen interdisziplinär abgestimmt.
Welche Komplikationen können bei dieser Untersuchung auftreten?
Komplikationen wie Blutungen oder Perforationen treten bei Darmspiegelungen äußerst selten auf. Über 99 Prozent aller Untersuchungen verlaufen ohne Zwischenfälle.
Kann man Darmkrebs vorbeugen?
Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, deutlich senken. Dazu gehört eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, möglichst wenig rotes Fleisch. Auf Nikotin und Alkohol sollte man weitestgehend verzichten, dafür aber auf ausreichende Bewegung achten. Die wichtigste Maßnahme, um Darmkrebs zu vermeiden, ist und bleibt jedoch die Vorsorge.
Terminvereinbarung unter 0 56 22 997-0
Termine bei entsprechenden Beschwerden bei Herrn Heinl, Dr. Greger oder Dr. Bismarck vereinbaren.
Zur Person
Dr. Carsten Bismarck ist medizinischer Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar und Chefarzt der dortigen Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Adipositas-Chirurgie. Er studierte Humanmedizin an der Universität Leipzig, seine Facharztausbildung absolvierte er am Klinikum Fulda. Bismarck ist Facharzt für Chirurgie, Spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie, Koloproktologie (EBSQ) und Notfallmedizin. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Text: HNA-Artikel vom 17.01.2026 von Pamela De Filippo
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