Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist mit hoher Expertise im Bereich Gelenkersatz
Sie ermöglichen Bewegung und komplexe Abläufe, fangen Druck ab und schützen so das gesamte Skelett bei Belastung: Gelenke sind die Grundlage jeglicher körperlicher Aktivität. Umso gravierender ist es, wenn Knorpelverschleiß Schmerzen verursacht und auf Dauer jeder Schritt zur Qual wird. Hier ist Gelenkersatz meist die beste Option. Wie künstliche Gelenke die Lebensqualität wieder verbessern können und welche Fortschritte es im Bereich der Endoprothetik gibt, erklärt Ali Noufal, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist.
Arthrose ist eine weit verbreitete Gelenkerkrankung. Dabei nutzt sich der Knorpel, der als Schutzschicht zwischen den Knochen für eine reibungslose Bewegung des Gelenks sorgt, langsam ab. Wird diese Schicht dünner oder verschwindet, reiben die Knochen aufeinander.
Welche Beschwerden verursacht eine fortgeschrittene Arthrose?
In einem gesunden Gelenk wirkt der Knorpel wie ein Stoßdämpfer. Ist er nicht mehr vorhanden, verursacht das Schmerzen – zunächst bei Bewegung und Belastung, später auch im Ruhezustand. Zudem nimmt die Beweglichkeit des Gelenks ab.
Ist bei Arthrose immer eine Operation notwendig?
Arthrose kann man nicht vollständig heilen, aber sehr gut behandeln. Ist die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten, werden mit regelmäßiger Bewegung und Physiotherapie sowie Hilfsmitteln wie Bandagen und Einlagen gute Erfolge erzielt. Auch Schmerzmedikamente und Injektionen können Linderung bringen. Ein künstliches Gelenk ist die beste Option, wenn die Beschwerden
stark sind und andere Maßnahmen nicht helfen.
Wie aufwendig ist ein solcher Eingriff?
Am Hospital zum Heiligen Geist wird Gelenkersatz minimalinvasiv – das bedeutet ohne große Schnitte – eingebracht. So kann die Muskulatur, die an der Bewegung beteiligt ist, geschont werden. Der Eingriff dauert in der Regel nicht länger als 45 Minuten, da die Position des Implantats zuvor exakt geplant wurde.
Wie sieht eine solche Planung aus?
Nehmen wir das Kniegelenk als Beispiel. Bei einer Arthrose nutzt sich der Knorpel unregelmäßig ab, dadurch entsteht eine unnatürliche Beinhaltung. Viele Betroffene entwickeln beispielsweise O-Beine. Beim Einsetzen eines künstlichen Gelenks ist es deshalb entscheidend, die anatomische Beinachse wieder herzustellen, damit das Gangbild nach dem Eingriff möglichst natürlich ist. Die Position des Implantats wird anhand verschiedener Messungen am Computer vorab exakt geplant. Eine Röntgenkontrolle gibt zusätzliche Sicherheit.
Demnächst wird am Hospital eine neue Operationstechnik beim Implantieren von Hüftprothesen eingeführt. Welche Vorteile hat das sogenannte AMIS-Verfahren?
Anders als beim bisherigen Verfahren wird der Gelenkersatz bei dieser Methode von vorn –
und nicht seitlich – eingebracht. Der entscheidende Vorteil: Nerven und Muskulatur werden bei der Operation nicht berührt. Auch die Blutungs- und Infektionsgefahr sind bei der
AMIS-Technik (Anterior Minimally Invasive Surgery) extrem gering. Die Patienten sind so noch schneller wieder fit und können das Bein meist direkt nach der OP wieder belasten.
Wie schnell sind die Patienten nach einer Operation wieder auf den Beinen?
Generell lässt sich sagen: Dank minimalinvasiver Operationsmethoden sind die Patienten sehr schnell wieder fit. Patientenbleiben in der Regel fünf bis sieben Tage im Krankenhaus – und vom ersten Tag an werden sie von Physiotherapeuten wieder in Bewegung gebracht. Nach dem Klinikaufenthalt folgt meist eine dreiwöchige Rehabilitation.
An wen sollten sich Betroffene bei fortschreitenden Beschwerden wenden?
Bei anhaltenden Schmerzen in den Gelenken können Patienten einen Termin für die Orthopädische Sprechstunde im MVZ des Fritzlarer Hospitals vereinbaren. Nach einer ausführlichen Diagnostik werden die Möglichkeiten der Therapie besprochen. Ist eine Operation notwendig, kann diese ebenfalls am Hospital erfolgen. Neben mir sind hier sieben erfahrene Oberärzte, alle Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie, tätig. Auch die Nachsorge nach einem Reha-Aufenthalt erfolgt im MVZ des Hospitals. So bleibt die Behandlung von der Erstdiagnose bis zur Nachkontrolle in einer Hand.
Text: HNA-Interview vom 21.02.2026 von Pamela De Filippo
Foto: Pamela De Filippo