Gute Nachrichten für die medizinische Versorgung in Edermünde und der Region: Die traditionsreiche Hausarztpraxis von Dr. Matthias Weiß und Dr. Armin Pudack bleibt dauerhaft erhalten. Seit einem halben Jahr gehört die Praxis zum Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Hospital zum Heiligen Geist Fritzlar. Nun ziehen alle Beteiligten eine erste Bilanz, die sehr positiv ausfällt: Damit sei die Nachfolge für die seit 27 Jahren bestehende Einrichtung gesichert.
Die Suche nach einer tragfähigen Zukunftslösung hatte die beiden Hausärzte über Jahre beschäftigt. Wie vielerorts – und nicht nur in ländlichen Regionen – gestaltet sich die Nachfolge niedergelassener Ärztinnen und Ärzte zunehmend schwierig. Immer weniger junge Mediziner möchten die Verantwortung einer eigenen Praxis übernehmen. In den vergangenen Jahren mussten deshalb bereits mehrere Hausarztpraxen in der Region schließen. Derzeit stünden im Landkreis 19 Praxen leer, so Dr. Armin Pudack.
„Wir wollten uns aber nicht in die Reihe der Praxen einordnen, die einfach zumachen“, betont Dr. Matthias Weiß. Für die Patienten, das Praxisteam und die medizinische Versorgung vor Ort sei es wichtig gewesen, rechtzeitig eine nachhaltige Lösung zu finden. Diese Lösung wurde mit dem Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar gefunden. Nach intensiven Gesprächen entstand eine Partnerschaft, die nach den Worten von Hospital-Geschäftsführer Dr. Carsten Bismarck vor allem einem Ziel dient: der Sicherung der wohnortnahen Versorgung. „Für uns stand die medizinische Versorgung der Region im Vordergrund“, sagt Bismarck. Es gehe ausdrücklich nicht darum, bestehende Strukturen zu verändern, sondern die erfolgreiche Arbeit der Praxis fortzuführen.
Genau darin lag für die beiden Hausärzte ein entscheidender Punkt. Die über Jahrzehnte entwickelte Behandlungsphilosophie soll erhalten bleiben. „Wir behandeln sehr persönlich und begleiten unsere Patienten oft über Generationen hinweg“, erklärt Weiß. Dieses Vertrauensverhältnis sei ein wesentlicher Bestandteil ihrer hausärztlichen Arbeit, ergänzt Pudack.
Die beiden Mediziner Weiß und Pudack werden die Praxis noch mindestens drei Jahre aktiv begleiten, parallel wird bereits die nächste Generation aufgebaut. „Wir sind ja schon in einem Alter, in dem wir in Rente sein könnten“, sagt Weiß und lacht. Pudack ist 68 Jahre alt, Weiß 66.
Seit Anfang des Jahres verstärkt Abdallah Ouertani das Team. Der erfahrene Mediziner war bereits in seinem Heimatland Tunesien als Facharzt tätig und absolviert nun die Weiterbildung im deutschen Gesundheitssystem. Perspektivisch soll in den kommenden ein bis zwei Jahren eine weitere Ärztin oder ein weiterer Arzt hinzukommen. „Das wäre perfekt“, so Pudack.
Für die Patienten ergeben sich durch die Einbindung in das MVZ zusätzliche Vorteile. Fachärztliche Termine könnten jetzt einfacher koordiniert werden, die Wege zwischen Haus- und Fachärzten seien kürzer geworden. Zum Praxisverbund gehören unter anderem Angebote aus den Bereichen Kardiologie, Gastroenterologie, Gynäkologie, Orthopädie, Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie sowie Allgemein- und Viszeralchirurgie. Dadurch sei eine engere Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen möglich.
Auch für die Ausbildung ergeben sich neue Perspektiven. Künftig können angehende Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin ihre Weiterbildung vom Krankenhaus bis in die hausärztliche Praxis innerhalb eines Verbundes absolvieren. Gleiches gelte für die Ausbildung von medizinischen Fachangestellten.
Die Praxis in Haldorf beschäftigt derzeit fünf medizinische Fachangestellte und versorgt rund 2500 Patientinnen und Patienten pro Quartal. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Dank der zentralen Lage mit Apotheke und Physiotherapie in unmittelbarer Nähe sowie guter Verkehrsanbindung sieht das Team auch langfristig gute Entwicklungsmöglichkeiten. „Hier wäre auch eine Erweiterung möglich“, sagt Weiß. Für die Patienten, die längst nicht nur aus Haldorf sondern auch aus den umliegenden Orten und auch aus Kassel kommen, bedeute die neue Struktur vor allem eines: Sicherheit. „Die hausärztliche Versorgung bleibt bestehen – persönlich, wohnortnah und zukunftsfähig“, betont Bismarck.
Text: HNA vom 15.06.2026 von Maya Yüce
Foto: Maya Yüce