Dr. Carsten Bismarck, Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar, über Diagnostik und Behandlungsoptionen der Refluxkrankheit
Sodbrennen und saures Aufstoßen sind weit verbreitete Beschwerden. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man sie allerdings nicht, sagt Dr. Carsten Bismarck, Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar und Chefarzt der dortigen Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie. Im Interview erklärt der Mediziner, warum eine chronische Refluxerkrankung – so der Fachbegriff – immer ärztlich abgeklärt werden sollte und welche modernen Möglichkeiten der Therapie es gibt.
Herr Dr. Bismarck, was genau versteht man unter Refluxkrankheit und wie entsteht sie?
Grundsätzlich beschreibt die Refluxkrankheit den Rückfluss von saurem Magensaft aus dem Magen in die Speiseröhre. Das passiert, wenn der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre geschwächt ist, wie zum Beispiel bei einem Zwerchfellbruch, Magenentleerungsstörungen oder krankhaften Veränderungen in Magen oder Speiseröhre, wie Entzündungen, Geschwüren oder Tumoren. Zudem begünstigt starkes Übergewicht die Entstehung eines Refluxes.
Welche Folgen kann ein Reflux haben?
Tritt ein Reflux nur kurzzeitig auf, ist das erst einmal unangenehm, aber unproblematisch. Bestehen die Beschwerden aber über einen längeren Zeitraum, kann es nicht nur zu schmerzhaften Entzündungen der Schleimhaut der Speiseröhre, sondern auch zu krankhaften Veränderungen des Gewebes kommen, die ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringen.
Viele Betroffene nehmen oft auch über einen langen Zeitraum frei verkäufliche Medikamente wie Säureblocker, um die Beschwerden einzudämmen. Ist das ratsam?
Medikamente sind oft die erste Behandlungsoption, um die Magensäure zu neutralisieren oder deren Bildung im Magen zu reduzieren. Aber auch wenn sie zunächst Linderung bringen, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass jeder chronische Reflux eine körperliche Ursache haben kann. Beschwerden, die länger andauern, sollten daher immer ärztlich von einem Spezialisten abgeklärt werden.
Welche diagnostischen Möglichkeiten stehen dabei zur Verfügung?
Neben der Magenspiegelung zur visuellen Kontrolle von Speiseröhre und Magen sollte auchzumBeispieleine24-stündige Säuremessung – die sogenannte pH-Metrie – durchgeführt werden. Eine Druckmessung in der Speiseröhre (Manometrie) gibt zudem Aufschluss über Funktionsstörungen der Speiseröhrenmuskulatur. Die geordnete Koordination der Muskulatur ist grundsätzlich für einen reibungslosen Transport der Nahrung durch die Speiseröhre wichtig. Welche diagnostischen Mittel sinnvoll sind, richtet sich letztlich nach dem individuellen Beschwerdebild.
Abgesehen von der medikamentösen Therapie gibt es auch chirurgische Verfahren, die bei einem Reflux zum Einsatz kommen?
Zunächst stellen wir die fundierte Diagnose nach Abschluss der kompletten Diagnostik, die gemäß der geltenden Leitlinien durchgeführt wird. Anschließend unterbreiten wir den Patienten ein individuelles Therapieangebot.
Sollte sich der Patient gegen eine dauerhafte medikamentöse Therapie, die auch Nebenwirkungen haben kann, entscheiden, gibt es verschiedene minimalinvasive Operationsmethoden, um die Ursachen einer Refluxerkrankung zu beseitigen. Neben dem obligaten Verschluss der fast immer vorhandenen Erweiterung des Speiseröhrendurchtritts durch das Zwerchfell (Zwerchfellbruch) durch mehrere Nähte oder auch spezielle Kunststoffnetze zur Verstärkung des Zwerchfells sind das Einbringen eines magnetischen Antireflux-Bands oder eine sogenannte Fundoplicatio (Manschettenbildung aus Magengewebe am Übergang von Speiseröhre zum Magen) einige von vielen Verfahren, die den Rückfluss von saurem Magensaft in die Speiseröhre verhindern.
Was muss der Patient nach einem solchen Eingriff beachten?
In der Regel dürfen Patienten nach einem zweitägigen stationären Aufenthalt wieder nach Hause. Danach gilt es, körperliche Anstrengungen für etwa sechs Wochen zu vermeiden, um eine ausreichende innere Wundheilung zu erreichen.
Sprechstunde für Reflux-Patienten
Im neuen Zentrum für Viszeralmedizin am Hospital in Fritzlar arbeiten die Ärzte der Viszeralchirurgie und Gastroenterologie eng zusammen, um Patientinnen und Patienten die schnellst- und bestmögliche Therapie zu ermöglichen. Für Patienten mit Reflux-Beschwerden steht eine spezielle Sprechstunde von Dr. Bismarck zur Verfügung. Eine Terminvereinbarung ist unter Tel. 05622/997-0 möglich, eine Überweisung vom Hausarzt ist hierfür notwendig.
Text: HNA-Artikel vom 28.06.2025 von Pamela De Filippo