Was 1966 mit einer einzigen Klasse und zwei Ordensschwestern begann, ist heute eine moderne Bildungseinrichtung mit mehr als 90 Ausbildungsplätzen: Das Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe des Hospitals zum Heiligen Geist feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Für Schulleiter Swen Greiner ist das Jubiläumweitmehr als ein Blick zurück. „Die Schule ist mit dem Hospital gewachsen“, sagt er. „Dass unser Träger über all die Jahre konsequent an diesem Ausbildungsstandort festgehalten hat, ist alles andere als selbstverständlich.“
Die Geschichte der Schule begann 1966 direkt im Hospital. In einem Klassenraum im damaligen Personalwohnheim startete der erste Ausbildungskurs für Krankenpflegehilfe. Den Unterricht übernahmen Ordensschwestern gemeinsam mit Chefärzten des Krankenhauses, die medizinische Fächer vermittelten. Die praktische Ausbildung auf den Stationen stand dabei von Anfang
an im Mittelpunkt.
Mit den Jahren entwickelte sich die Einrichtung kontinuierlich weiter. Aus der einjährigen
Krankenpflegehilfeausbildung entstand die dreijährige Pflegeausbildung. Die Schule zog zunächst in das Domhaus und später wieder auf das Krankenhausgelände. Seit 2021 befindet sich das Bildungsinstitut in modernen Räumen Auf der Lache 2 in Fritzlar. „Wir sind sehr dankbar für dieses Gebäude“, sagt Greiner. „Es ist hell, großzügig und bietet ideale Bedingungen für modernen Unterricht.“
Seit der Gründung haben 579 Auszubildende ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen: 189 in der Krankenpflegehilfe sowie 390 in der dreijährigen Pflegeausbildung. Heute gehören neben der stationären Akutpflege auch Einsätze in der Altenpflege, der ambulanten Versorgung, der Psychiatrie, der Kinderkrankenpflege sowie in Hospiz- und Palliativeinrichtungen zur Ausbildung.
Mit der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 änderte sich das Ausbildungssystem erneut grundlegend. „Unsere Auszubildenden lernen heute alle Bereiche der Pflege kennen“, erklärt Greiner. „Sie erwerben eine breite Grundqualifikation. Die Spezialisierung erfolgt anschließend im jeweiligen Arbeitsfeld.“ Die Berufsbezeichnung lautet inzwischen Pflegefachfrau beziehungsweise Pflegefachmann. Der Abschluss eröffnet Einsatzmöglichkeiten in allen Bereichen der professionellen Pflege – bundesweit und innerhalb der Europäischen Union.
Die Anforderungen an Lehrkräfte sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen und setzen heute ein Hochschulstudium voraus. Greiner, selbst ehemaliger Krankenpfleger, leitet die Schule seit 2001. Das Kollegium umfasst derzeit sieben Lehrkräfte, die Theorie und Praxis eng miteinander verzahnen. Der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften ist heute größer denn je, so Greiner. Während Ausbildungsplätze früher stark umkämpft waren, hat sich die Situation drastisch verändert. Gleichzeitig steigt die Zahl internationaler Bewerber, etwa aus Indien, Tunesien und Marokko; rund ein Drittel der Auszubildenden hat inzwischen einen Migrationshintergrund. Unterstützt wird die Integration unter anderem durch das Pflegequalifizierungszentrum Hessen, so Greiner.
Besonders prägend war für den Schulleiter die Corona-Pandemie: „Das war die einschneidendste Phase meiner gesamten Berufslaufbahn.“ Unterricht musste neu organisiert, Standorte vernetzt und Hygienekonzepte entwickelt werden. Unterstützung kam auch von der Stadt Fritzlar und der Bundeswehr. Heute verfügt das Bildungsinstitut über 65 Ausbildungsplätze in der dreijährigen Pflegeausbildung sowie weitere 30 Plätze in der Krankenpflegehilfe. Rund die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen bleibe nach der Ausbildung im Hospital zum Heiligen Geist, andere wechseln in Kliniken, Pflegeeinrichtungen oder ambulante Dienste.
Zum Geburtstag fasst Greiner zusammen: „Wir bilden seit 60 Jahren Menschen aus, die Verantwortung für andere übernehmen. Darauf können wir wirklich stolz sein.“
Text: HNA vom 06.07.2026 von Maya Yüce
Foto: Peter Zerhau